Anna KuschnirRechtsanwältin · Hanau
Verkehrsrecht

Auto mit ukrainischem Kennzeichen in Deutschland: Was gilt 2026?

Dürfen Autos mit ukrainischer Zulassung in Deutschland fahren? Wann Sie ummelden müssen, welche Unterlagen nötig sind, was es kostet – und was für den ukrainischen Führerschein gilt.

Rechtsanwältin Anna Kuschnir Veröffentlicht am Fachlich geprüft am 5 Min. Lesezeit
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sonderregelung für ukrainische Fahrzeuge ist am 30. September 2024 ausgelaufen. Seitdem gelten die allgemeinen Regeln der Fahrzeug-Zulassungsverordnung – eine neue Übergangsfrist gibt es nicht.
  • Mit ukrainischer Zulassung dürfen Sie höchstens ein Jahr ab Einreise fahren – und nur so lange, wie das Auto keinen regelmäßigen Standort in Deutschland hat. Wer hier wohnt und das Auto hier nutzt, muss es in der Regel ummelden.
  • Für die Ummeldung brauchen Sie unter anderem die ukrainische Zulassungsbescheinigung im Original auf Papier, eine Hauptuntersuchung und eine deutsche Kfz-Haftpflichtversicherung. Die Grüne Karte reicht nicht.
  • Fahren ohne die nötige Zulassung ist eine Ordnungswidrigkeit; Fahren ohne gültige Haftpflichtversicherung ist sogar strafbar.
  • Der ukrainische Führerschein gilt für Menschen mit vorübergehendem Schutz weiter. Seit dem 18. August 2026 kann er außerdem ohne Fahrprüfung in einen deutschen umgeschrieben werden.

Viele Menschen aus der Ukraine sind mit dem eigenen Auto nach Deutschland gekommen. Anfangs durften sie mit ukrainischem Kennzeichen fahren, später nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung. Inzwischen ist die Lage klar geregelt – aber nicht jeder kennt die Regeln, und manche Bußgeldbescheide kommen überraschend. Hier finden Sie den aktuellen Stand.

Gibt es noch eine Übergangsfrist?

Nein. Bund und Länder hatten für ukrainische Fahrzeuge nach Kriegsbeginn Sonderregeln geschaffen und mehrfach verlängert. Die letzte Ausnahme ist am 30. September 2024 ausgelaufen. Seit dem 1. Oktober 2024 gelten für Fahrzeuge mit ukrainischer Zulassung die allgemeinen Regeln der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) – wie für jedes andere Auto aus einem Nicht-EU-Staat auch.

Wie lange darf ich mit ukrainischem Kennzeichen fahren?

Ein im Ausland zugelassenes Auto darf in Deutschland nur vorübergehend genutzt werden: höchstens ein Jahr ab dem Grenzübertritt – und nur so lange, wie das Fahrzeug keinen regelmäßigen Standort in Deutschland hat.

Das bedeutet in der Praxis:

  • Sie wohnen in Deutschland und nutzen das Auto hier, zum Beispiel von Ihrer gemeldeten Wohnung aus? Dann hat das Auto in der Regel einen regelmäßigen Standort in Deutschland und muss umgemeldet werden – unter Umständen auch schon vor Ablauf eines Jahres.
  • Sie sind gerade erst angekommen? Dann dürfen Sie zunächst mit ukrainischer Zulassung fahren, längstens ein Jahr.
  • Eine kurze Fahrt ins Ausland, etwa zum Tanken nach Polen, lässt die Jahresfrist nach Auffassung des Bundesverkehrsministeriums nicht neu beginnen. Ein längerer Aufenthalt in der Ukraine kann dagegen anders zu bewerten sein.

Ob in Ihrem Fall schon ein regelmäßiger Standort besteht, hängt von den Umständen ab. Im Zweifel lohnt sich eine Nachfrage bei der Zulassungsstelle oder eine anwaltliche Prüfung.

Was brauche ich für die Ummeldung?

Zuständig ist die Zulassungsstelle an Ihrem Wohnort. Nach dem Fragenkatalog des Bundesverkehrsministeriums benötigen Sie in der Regel:

  • ein Ausweisdokument mit Ihrem Namen in lateinischen Buchstaben,
  • die ukrainische Zulassungsbescheinigung im Original auf Papier und die Kennzeichenschilder – digitale ukrainische Dokumente werden nicht anerkannt,
  • eine EU-Übereinstimmungsbescheinigung (CoC) des Herstellers oder, wenn es diese nicht gibt, ein Gutachten zur Betriebserlaubnis nach § 21 StVZO (etwa von TÜV oder DEKRA),
  • eine gültige Hauptuntersuchung (HU),
  • den Nachweis einer deutschen Kfz-Haftpflichtversicherung (eVB-Nummer) – die Grüne Karte oder eine Grenzversicherung reicht nicht, weil sie nur für den internationalen Verkehr gilt,
  • ein SEPA-Lastschriftmandat für die Kfz-Steuer,
  • möglichst eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Zolls.

Erfüllt ein älteres Fahrzeug nicht alle technischen Vorschriften, etwa bei den Abgaswerten, können die Länder unter Bedingungen Ausnahmen zulassen.

Was kostet die Ummeldung?

Das Bundesverkehrsministerium ging 2024 im Normalfall von etwa 200 bis 500 Euro aus – für Gutachten, Hauptuntersuchung und Zulassung. Hinzu kommen die laufende Kfz-Steuer und die Versicherung. Wichtig: Wer Sozialleistungen wie Bürgergeld bezieht, ist von der Kfz-Steuer nicht befreit.

Beim Zoll fallen für ein Auto aus einem Nicht-EU-Staat grundsätzlich Einfuhrzoll (10 %) und Einfuhrumsatzsteuer (19 %) an. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Fahrzeug aber als Übersiedlungsgut abgabenfrei bleiben – etwa wenn Sie es schon vor dem Umzug eine Zeit lang besessen und genutzt haben. Die Einzelheiten klärt das Zollamt; die Zollanmeldung sollte möglichst vor der Zulassung erledigt werden.

Und wenn das Auto nicht mir gehört?

Häufig ist das Auto auf einen Verwandten in der Ukraine zugelassen. Halter ist nach der Rechtsprechung, wer das Fahrzeug im eigenen Namen nutzt und darüber verfügt. Die Zulassungsstelle kann deshalb eine schriftliche Erklärung des Eigentümers akzeptieren. Angaben dazu müssen stimmen – falsche Angaben können dazu führen, dass die Zulassung zurückgenommen wird.

Was passiert, wenn ich nicht ummelde?

Wer mit ukrainischer Zulassung weiterfährt, obwohl das Auto in Deutschland zugelassen sein müsste, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das Bundesverkehrsministerium nennt Bußgelder von 70 bis 105 Euro. Nach der Ummeldung dürfen die ukrainischen Kennzeichen nicht mehr verwendet werden.

Deutlich ernster wird es ohne Versicherung: Wer ein Auto ohne gültige Haftpflichtversicherung fährt, macht sich strafbar (§ 6 Pflichtversicherungsgesetz). Ist die ukrainische Versicherung oder die Grüne Karte abgelaufen, sollten Sie das Auto deshalb nicht mehr benutzen, bis die Ummeldung erledigt ist.

Was gilt für den ukrainischen Führerschein?

Hier gibt es gute Nachrichten:

  • Mit vorübergehendem Schutz (§ 24 AufenthG) bleibt Ihr ukrainischer Führerschein in Deutschland gültig, solange der Schutzstatus besteht. Die EU hat den vorübergehenden Schutz bis zum 4. März 2028 verlängert. Eine sofortige Umschreibung ist daher nicht nötig.
  • Seit dem 18. August 2026 steht die Ukraine in Anlage 11 der Fahrerlaubnis-Verordnung. Ukrainische Führerscheine der gängigen Klassen (A1, A, B, BE, C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D, DE) können seitdem ohne theoretische und praktische Fahrprüfung in einen deutschen Führerschein umgeschrieben werden. Für Lkw- und Busklassen können ärztliche Nachweise nötig sein.
  • Ohne vorübergehenden Schutz, etwa mit einem anderen Aufenthaltstitel, gilt die allgemeine Regel: Ein Führerschein aus einem Nicht-EU-Staat berechtigt grundsätzlich nur in den ersten sechs Monaten nach Begründung des Wohnsitzes in Deutschland zum Fahren (§ 29 FeV). Danach brauchen Sie einen deutschen Führerschein.

Wer langfristig in Deutschland bleiben will, sollte die prüfungsfreie Umschreibung nutzen – sie ist einfach und schafft Sicherheit, auch für die Zeit nach dem Schutzstatus.

Unser Rat

Melden Sie Ihr Auto um, sobald Sie in Deutschland wohnen und es hier regelmäßig nutzen, und kümmern Sie sich frühzeitig um die deutsche Haftpflichtversicherung. Haben Sie bereits einen Bußgeldbescheid oder ein Anhörungsschreiben erhalten, achten Sie auf die Frist: Gegen einen Bußgeldbescheid können Sie innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. Wir prüfen, ob der Vorwurf zutrifft, und vertreten Sie gegenüber Behörde und Gericht.

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Rechtsgrundlagen und Quellen

Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen zur Rechtslage und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Einschätzung Ihrer Situation sprechen Sie uns gern an.

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